Vladimir #Putin: Freund oder Feind?

Vladimir Putin: Freund oder Feind?
Von Zlatko Percinic – Am 21. Nov. 2014 – unter Politik 14 Kommentare
Foto: Diskussion zwischen Vladimir Putin und Catherine Ashton / ec.europa.eu

Foto: Diskussion zwischen Vladimir Putin und Catherine Ashton / ec.europa.eu

Nicht erst seit der Rede der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im australischen Sydney wird der russische Präsident Vladimir Putin als Aggressor dargestellt. Schon seit Monaten denunzieren westliche Medien Putin für seine Ukraine Politik, und machen nicht einmal halt vor Vergleichen der übelsten Sorte. Als “Gefahr für Europa” oder als “neuer Hitler” wird er bezeichnet, der in seinem Wahn zur Wiedererrichtung der alten russischen Glorie nicht einmal davor zurückschreckt, die Ehefrau des chinesischen Präsidenten anzubaggern (er hat bei der APEC-Konferenz in Peking der frierenden Ehefrau von Xi Jinping seinen Mantel umgehangen, was er übrigens auch bei Angela Merkel beim G-20 Gipfel in St. Petersburg getan hat).

Aber nein, das ist nicht der Grund weshalb “Russland`s Don Juan-in-chief” so dargestellt wird, als ob er jeden Moment seine Panzer in Richtung Berlin rollen lassen würde. So stellt sich zumindest das Bild dar wenn man dem NATO-Kommandeur Philipp Breedlove oder US-Verteidigungsminister Chuck Hagel zuhört, der bei einer Rede vor der US-Army vor einer “modernen und kampfbereiten russischen Armee an der Türschwelle der NATO” gewarnt hatte. Nochmal, der amerikanische Verteidigungsminister warnt vor hunderten US-Soldaten, dass man sich mit der “Aggression” eines “revisionistischen Russland” – was auch immer das genau heissen soll – auseinandersetzen muss. Das heisst dass Russland offiziell auch als Staatsfeind bei den US-Streitkräften geführt wird, ganz so wie es zu Zeiten des Kalten Krieges gehandhabt wurde.
NATO-Osterweiterung 1990-2009 – Bildquelle: http://www.investwithalex.com

NATO-Osterweiterung 1990-2009 – Bildquelle: http://www.investwithalex.com

Das Problem an der ganze Sache aber ist, dass nicht etwa Russland sich an die Türschwelle der NATO ausgedehnt hat wie diese Karte zeigt, sondern dass sich diese physische Ausdehnung genau in entgegengesetzter Richtung vollzogen hat.

Die ganze Panikmache, insbesondere in den USA, über die bevorstehende russische Invasion von Europa um ein neues russisches Imperium aufzubauen ist nichts weiter als Panikmache. Und natürlich muss an der Spitze dieses Imperiums ein entsprechender Bösewicht im Stile eines Adolf Hitler stehen, auf den man die ganze Wut abladen und ihn für sämtliche Übel dieser Welt beschuldigen kann.

Putin Medienpropaganda I

Ob Propaganda oder nicht, Tatsache ist, dass Vladimir Putin insbesondere von drei Schichten in den USA aufrichtig gehasst wird:

Von den amerikanischen Patrioten mit niedrigem bis mittleren Bildungsstand die sich hauptsächlich bei FOX News über die Politik informieren und aufklären lassen, und somit der hemmungslosen anti-russischen Propaganda verfallen sind, sowie republikanisch wählen.
Von der neokonservativen Elite die in Putin und Russland einen Störenfried für die globale amerikanische Dominanz sehen (John McCain: “Die Schuld liegt eindeutig bei Vladimir Putin, einem unrekonstruierten russischen Imperialisten und KGB Apparatschik.”
Von der Wall Street die in Putin und Russland ebenfalls einen Störenfried für die globale amerikanische Dollardominanz sehen (George Soros: “Putin ist eine existenzielle Bedrohung für die EU”.

Da Washington allerspätestens seit dem Finanzcrash von 2008 gezeigt hat dass man nicht mehr die Interessen des amerikanischen Volkes vertritt, gehe ich in der weiteren Analyse auch nicht auf die breite Masse der Amerikaner ein, die zwar zahlenmässig die Mehrheit bei der Wählerschicht bildet verglichen mit der neokonservativen und zionistisch-neokonservativen Elite und der Wall Street, aber deren Stimme nahezu irrelevant geworden ist. Das bestätigte auch eine Studie der renommierten Princeton Universität, die sich genau dieser Frage gestellt hatte. Das erschreckende Ergebnis: die Vereinigten Staaten von Amerika sind keine Demokratie mehr, sondern eine Plutokratie.
Neocons und Putin`s Russland

Putin Medienpropaganda IIDas was die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg ausgemacht hat, wofür Millionen Menschen ihre Heimatländer verlassen haben um ein neues Leben irgendwo in den USA anzufangen, in der berechtigten Hoffnung es im “gelobten Land” besser zu haben als in der alten Heimat, ist im Jahr 2014 nicht mehr wiederzuerkennen. Dieser Prozess fing nicht etwa erst mit der Finanzkrise von 2008 an, obwohl dieses Ereignis wie kein anderes zuvor dafür gesorgt hat dass sich der Prozess mit unglaublicher Geschwindigkeit fortsetzt, sondern dauert bereits seit 40 Jahren an. Wer in letzter Zeit eine Reise durch die USA gemacht hat, und nicht nur in den Touristenhochburgen wie New York City, Miami Beach oder Los Angeles war, wird wissen wovon die Rede ist.
Der American way of life galt nicht nur für Leute die mit einer zündenden Idee den grossen Reichtum suchten und gefunden haben, sondern auch für ganz normale Menschen die einfach nur arbeiten, ein Haus bauen oder kaufen und ein angenehmes Leben führen wollten.

Es war diese Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der sich die grösste Mittelschicht der Welt entwickelt hat, in der es Arbeit für jeden gab der auch arbeiten wollte und die Löhne immer weiter stiegen. Für jede industrielle Demokratie ist die Mittelschicht die tragende Säule der Nation. Doch nirgendwo sonst wurde diese tragende Säule so fahrlässig ausgehöhlt, dass es schon fast an mutwilliger Zerstörung grenzt, wie in Amerika. Nur um ein paar Zahlen zu nennen:

Das Durchschnittseinkommen im Jahr 2012 war kleiner als 1989: 51`017 USD zu 51`681 USD
Das Durchschnittseinkommen stieg zwischen 1979 bis 2012 um 5%
50 Millionen Amerikaner leben in absoluter Armut (15.5% der Gesamtbevölkerung)
In der Lebenserwartung rangieren die USA auf Platz 40 für Männer/Platz 39 für Frauen von insgesamt 187 Ländern
Platz 1 für die USA in der Säuglingssterblichkeit-Statistik der OECD-Länder
Mit 716 Häftlingen pro 100`000 Einwohner stehen die USA einsam an der Spitze. Zum Vergleich: Russland hat 484 Häftlinge pro 100`000 Einwohner, Iran 284

Lohnentwicklung USA

Lohnentwicklung USA
Säuglingssterblichkeit

Säuglingssterblichkeit

Obwohl also nahezu jede Statistik belegt dass die USA längst nicht mehr zur führenden Nation der Welt gehört und jeder Blick auf die veraltete (um nicht zu sagen uralte) Infrastruktur des Landes die Statistik bestätigt, halten sich die Neokonservativen nach wie vor für die unverzichtbare und einzigartige Nation der Erde. Die tragische Abwicklung ihrer Nation wollen oder können sie nicht wahrnehmen, da dadurch ihr gesamtes Weltbild zerstört würde. Das einzige was ihre Illusion der “einzigartigen Nation” stützt, ist die US-Dominanz über grosse Teile der Welt die militärisch abgesichert wird und dem darin eingebundenen Wirtschaftsaustausch der in US-Dollar abgewickelt wird.

Um zu verstehen weshalb die neokonservative Elite – die Neocons – die USA seit ihrer Machtübernahme im Jahr 2000 die “Demokratie” per Waffengewalt in verschiedene Teile der Welt exportieren wollte, muss man einen kleinen Blick auf die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg werfen als sich die grösste Mittelschicht der Menschheitsgeschichte gebildet hat. Diese Zeit ging als Goldenes Zeitalter (1945 – 1973) in die Geschichte ein, als die amerikanische Produktion massiv von der Zerstörung in Europa durch den Krieg profitiert hat. Die Auslastung der Produktion sorgte natürlich für eine hohe Beschäftigungsrate und steigenden Löhnen, was sich entsprechend im Konsumverhalten der Amerikaner wiederspiegelte und zu einem beispiellosen Wirtschaftsboom führte. Allein der bei uns als Hilfsprogramm bekannte Marschall-Plan, dem Deutschland seine eigene Wiederauferstehung und das deutsche Wirtschaftswunder verdankt, sorgte für 13.36 Milliarden US-Dollar Einnahmen in Washington, was heute 129.6 Milliarden US-Dollar entsprechen würde. Die amerikanische Hilfe für Europa war also alles andere als eine selbstlose Unterstützung, sondern ein gigantischer Schub für die eigene Wirtschaft. Mit dem Bretton-Woods Abkommen krönten sich die USA zudem selbst als der US-Dollar zur weltweiten Leitwährung festgesetzt wurde. In Zukunft würde jede internationale Transaktion, selbst wenn es die USA nicht einmal direkt betrifft, dafür sorgen dass die Kasse im Schatzamt der Vereinigten Staaten von Amerika niemals ohne Einnahmen bleiben würde. Selbst wenn es 70 Jahre nach dem Abkommen nur noch ein unfassbarer Berg von Schulden ist der im Schatzamt angehäuft liegt.

Es war das Goldene Zeitalter das den Mythos der “unverzichtbaren” oder “einzigartigen” Nation erst so richtig zementiert hat, da der wirtschaftliche Erfolg einem breiten Teil der Bevölkerung zugute kam und eine ganze Generation in dieser Atmosphäre die Gelegenheit hatte, diesen Mythos zu verinnerlichen.

Alle Männer und Frauen die mit George W. Bush im Jahr 2000 an die Macht gespült wurden, waren Erben dieses Goldenen Zeitalters. Sie haben sozusagen mit der Muttermilch diese Werte der einzigartigen Nation mit auf ihren Lebensweg erhalten und wurden vom Kalten Krieg geprägt. Mit Abscheu haben sie beobachtet wie Bill Clinton diese Werte mit Füssen getreten hat und die Chance einer neuen Weltordnung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unbenutzt hat verstreichen lassen. Das Hin und Hergezerre vor den Vereinten Nationen war ihnen ein Gräuel, sie sahen dieses Gremium viel mehr als Hindernis ihrer wahren Bestimmung an: eine Weltordnung nach US-Vorstellungen und unter amerikanischer Führung.

Das Mittel für dieses Ziel war und ist der Export der Demokratie (notfalls mit Waffengewalt) und die Sicherstellung des freien Warenaustausches, solange sich dieser Austausch an bestimmte Regeln hält.
http://www.neopresse.com/politik/vladimir-putin-freund-oder-feind/
via pronet

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