South Stream: Putins Schachzug

South Stream: Putins Schachzug

Foto: Vladimir Putin / Norgler / CC BY-SA 3.0Foto: Vladimir Putin / Norgler / CC BY-SA 3.0

Nehmen wir einmal an, dass ein Gegner eine Stärke von sechs Punkten besitzt und Sie eine Stärke von vier Punkten aufweisen. Dann dürfte es ziemlich klar sein, dass, wenn beide Druck aufeinander ausüben, Ihre vier Punkte sicher gegen die sechs des Gegners verlieren werden. Eine der Grundlagen bei der Ausübung von Kraft im Judo ist, dass, wenn Sie nicht schieben, sondern ziehen wenn der Gegner schiebt, Sie über Ihre vier Punkte und seine sechs verfügen. So dass man mit einer Stärke von zehn Punkten jemanden ganz einfach zu Fall bringen kann, obwohl man selbst nur vier Punkte besitzt.

Der Judoka und russische Präsidenten Wladimir Putin wird diese einfache Technik nur zu gut kennen und er hat seine Kraft bzgl. seines Gegners, dem US-Präsident Barack Obama, gezielt eingesetzt als er die überraschende Entscheidung traf, das Projekt der Gaspipeline South Stream zu beenden.

Die 40 Milliarden US-Dollar teure von Gazprom finanzierte South Stream hätte Gas aus Russland durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und weiter nach Südosteuropa gebracht. Doch Putin kündigte während eines Besuchs in Ankara, Türkei, an:

Unter Berücksichtigung der Position der Europäischen Kommission, die nicht einen Beitrag zur Realisierung dieses Projekts [South Stream] geleistet hat, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir erst vor kurzem die Erlaubnis von den jeweiligen Organisationen in den Niederlanden erhielten… Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir immer noch nicht die Erlaubnis von Bulgarien erhalten haben, denken wir, dass Russland nicht in der Lage ist dieses Projekt unter solchen Bedingungen fortzusetzen und zu realisieren.

Auf den ersten Blick scheint Moskau einen Rückzieher gemacht zu haben, da die devote Haltung der Europäischen Kommission unter amerikanischem Druck sich nicht weiter in eine Energieabhängigkeit mit Russland zu begeben, für Moskau nicht mehr akzeptabel war. Aber in Wirklichkeit hat Putin den Westen ausmanövriert. Denn er sagte:

Wir werden den Fluss unserer Energieressourcen zu anderen Regionen der Welt umleiten, unter anderem durch erweiterte und schnelle Realisierung von Flüssigerdgas-Projekten. Wir werden uns den anderen Märkten zuwenden und Europa wird diese Mengen nicht mehr erhalten, zumindestens nicht aus Russland. Wir denken, dass dies nicht dem wirtschaftlichen Interessen Europas entspricht und Schäden bei unserer Zusammenarbeit verursachen wird. Aber dies ist die Wahl unserer europäischen Freunde.

Zusammengefasst: Russland hat South Stream eingemottet, aber es wird dennoch mehr Gas nach Europa über die Türkei verkaufen, und es gibt nichts, was die Europäische Kommission (oder Washington) dagegen tun kann, wenn die Länder Südeuropas es als vorteilhaft ansehen als “Energieverteilstation” zu fungieren, die Russland z.B. an der türkischen Grenze zu Griechenland plant.

Der wirklich überraschende Teil dabei ist, dass die Türkei die Zusammenarbeit mit Russland – trotz ihrer unterschiedlichen Meinung im Syrienkonflikt – verstärkt. Es ist klar, dass die Türkei damit ihre unabhängige Außenpolitik verdeutlichen will und es ist zudem ein Zeichen, dass Ankara sich weigert die westlichen Sanktionen gegen Russland ebenfalls zu verabschieden. Moskau schätzt, dass sich unter Ministerpräsident Recep Erdogans Führung die Türkei für eine nationalistische, autonome Außenpolitik und die Emanzipation von den USA entschieden hat.

Natürlich hat die türkisch-russische strategischrn Verständigung weitreichende Auswirkungen auf die regionale Politik. Washington wird es nicht gefallen, was hier gerade geschieht.

Das Beenden des Projekts South Stream unterstreicht einmal mehr, dass Putin entschlossen ist die russischen Energieexportmärkte zu diversifizieren. Die asiatischen Märkte werden zur Top-Priorität für die russischen Energieexporte.

Auch Delhi sollte die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen und ernsthaft untersuchen, genauso wie China, ob Indien vom russischen “Pivot” nach Asien profitieren könnte. Putins bevorstehender Besuch in Delhi am 11. Dezember bietet eine fantastische Gelegenheit, um einen Quantensprung in der Energiezusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu erreichen.

Quellen:
‘Judo Knight’ Putin shows off martial arts skills in wrestling bout
Putin:Russia Cannot Continue South Stream Construction in Current Situation
Putin drops South Stream gas pipeline to EU, courts Turkey
Five Things That Vladimir Putin And Recep Tayyip Erdogan Have In Common
Russia takes Asia Pacific states as key oil and gas partners — ministry official

Quelle: http://www.neopresse.com/politik/south-stream-putins-schachzug/

via rusnet

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