Die Kinder der Rezession – Armut und Perspektivlosigkeit

Die Kinder der Rezession – Armut und Perspektivlosigkeit

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Kinder der Rezession – Armut und Perspektivlosigkeit

Immer mehr obdachlose Kinder in den USA / Public Domain

Stimmt. Der Generationenvertrag ist ein fiktiver „Solidar-Vertrag“ zwischen jeweils zwei Generationen. Betonung, wohl merklich, auf fiktiv. Sprich: Verpflichtung gibt es keine und so lebt es unsere Generation der von Wohlstand verwöhnten. Wir setzen nicht nur die Perspektiven, sondern auch die Renten für die Nächsten außer Kraft, wenn wir weiterhin so wirtschaften und gestalten, wie wir heute wirken und werken. Die Verpflichtung der nächsten Generation gegenüber ist längst vergessen und dies nicht nur in Hinblick auf die wirtschaftlichen, monetären Aspekte, sondern auch in Hinblick auf die ökologischen, ethischen Aspekte.

UNICEF schreibt zu RECHT im jüngst veröffentlichten Bericht:

„Die Länder sollten das Wohlergehen der Kinder zu den Hauptinteressen während der Rezession ernennen. Es ist dies nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern vielmehr im Eigeninteresse einer jeden Gesellschaft.“

Nicht ohne Grund wählt UNICEF diese Worte. Im Rahmen einer Studie wurden über 40 Länder in Bezug auf die Auswirkungen der Finanzkrise in Hinblick auf die Auswirkungen auf Kinder untersucht. Was längst von vielen erahnt und gefühlt wurde, wurde darin bestätigt, die Kinder, die nächste Generation, sind die Verlierer.

Die Entwicklung der Kinderarmut, die im Rahmen der Studie erhoben wurde, zeigt folgendes Bild:

Land Kinderarmut in % 2008 Kinderarmut in % 2012
Griechenland 23,00 40,50
Lettland 23,60 38,20
Spanien 28,20 36,30
Israel 35,10 35,60
Mexiko 29,30 34,30
USA 30,10 32,20
Island 11,20 31,60
Litauen 22,80 31,10
Rumänien 32,90 30,60
Italien 24,70 30,40
Türkei 33,00 30,20
Irland 18,00 28,60
Kroatien 15,80 27,60
Bulgarien 25,50 26,10

In 5 Ländern ist im Zeitraum 2008-2012 die Kinderarmutsquote im 2-stelligen Bereich angestiegen:

  1. Island +20,40 %
  2. Griechenland +17,50%
  3. Lettland +14,60%
  4. Kroatien +11,80%
  5. Irland +10,60%

Die Finanzkrise hat vor allem die Kinder und Jugendlichen im Süden Europas, den baltischen Staaten und Island und Irland getroffen. Insgesamt betrachtet ist das Bild für das gute alte Europa aber alles andere als schmeichelnd. In Schulnoten ausgedrückt bewegt man sich zwischen „nicht genügend“ und „genügend“ und es hat den Anschein, dass der Schüler seine Hausaufgaben vernachlässigt hat.

Immerhin haben es 18 Länder geschafft, gemeinsam ein Mittel zu finden und der negativen Entwicklung zu trotzen und dies in einem denkbar schlechten Umfeld.

Die 5 besten Länder, die die Kinderarmut im beobachteten Zeitraum reduzieren konnten:

  1. Chile (22,8%) -8,67%
  2. Polen (14,5%) -7,90%
  3. Australien (13,0%) -6,27%
  4. Slowakei (11,1%) -5,60%
  5. Schweiz (14,7%) -4,80%

2,6 Millionen Kinder mehr sind während der Wirtschaftskrise in die Armut geschlittert, als dieser entkommen. Insgesamt leben in den 41 untersuchten Ländern 76,5 Millionen Kinder in Armut.

Armut geht einher mit fehlender Ausbildung, fehlenden Arbeitsplätzen und Lehrlingsstellen

Auch dies unterstreicht die Studie mehr als deutlich. Das trifft Jugendliche besonders hart, es raubt ihnen die Perspektiven, die Hoffnung und die Aussicht auf eine Besserung. Diese Kombination ist für jede Gesellschaft ein unberechenbares Pulverfass. Die Perspektivlosigkeit, die Sinnlosigkeit und die Armut treiben unser Kapital der Zukunft in die Hände derer, die es verstehen, ihnen heute einen Sinn und eine Perspektive zu geben.

Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahre, die keinen Arbeitsplatz, keine Ausbildung und auch keine Lehrstelle haben:

Land 2008 2013
Israel 29,8% 30,7%
Türkei 37,0% 25,5%
Italien 16,6% 22,2%
Bulgarien 17,4% 21,6%
Mexiko 21,5% 21,1%
Griechenland 11,7% 20,6%
Chile 19,0% 20,5%
Zypern 9,7% 18,7%
Kroatien 10,1% 18,6%
Rumänien 11,6% 17,2%
Ungarn 11,5% 15,4%

In folgenden 5 Ländern hat die Quote im untersuchten Zeitraum am stärksten zugelegt:

  1. Zypern +9,0%
  2. Griechenland +8,9%
  3. Kroatien +8,5%
  4. Rumänien 5,6%
  5. Italien 5,6%

Die Rezession, Finanzkrise hat die Jugendlichen besonders hart getroffen. 7,5 Millionen junge Menschen in der EU gehören zu jenen Jugendlichen, die weder in Ausbildung sind, noch über eine Anstellung verfügen.

5 Länder, die dieser Entwicklung die Stirn bieten konnten:

  1. Türkei -11,5%
  2. Deutschland -2,1%
  3. Japan -1,5%
  4. Luxemburg -1,2%
  5. Mexiko -0,4%

Die Auswirkungen für die Jugendlichen sind heute und sofort spürbar. Für die Gesellschaft sind diese im Moment noch nicht zwingend augenscheinlich. Sie sind aber ein latenter Brandherd und verursachen in der Zukunft hohe Kosten. Vielmehr aber ist Jugendarbeitslosigkeit und Kinderarmut für keine sogenannte hochentwickelte Gesellschaft vertretbar und mit nichts zu rechtfertigen! Gleichzeitig sind die Gefahren, die diese Entwicklung mit sich bringt nicht zu unterschätzen. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass solche Entwicklungen für jede Gesellschaft einen Gefahrenherd darstellen.

Deutlich zugenommen hat im Untersuchungszeitraum auch die Zahl derer Kinder und Jugendlichen, die in einer Familie leben, deren Eltern erwerbslos sind und auch derer, deren Finanzlage sich trotz Erwerbstätigkeit mehr als nur schwer darstellt. Für Haushalte mit Kindern ist das Risiko trotz Erwerbstätigkeit in Armut zu schlittern um 4 Prozent höher, als für Erwerbstätige ohne Kinder.

UNICEF hat die Lage in Griechenland bereits frühzeitig intensive Studien und Erhebungen beauftragt, um die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Kinder und Jugendlichen zu analysieren. Die Anzahl der Jugendlichen, die sich Sorgen um die Zukunft machen beziehungsweise, die die Finanzlage in der eigenen Familie als schlecht bezeichnen, hat sich seit 2006 verdoppelt und liegt heute bei 14,5 Prozent. 29,5 Prozent der Jugendlichen bezeichnen die Lage in ihrer Region als besorgniserregend. Eines von fünf griechischen Kindern hat davon erzählt, dass mindestens ein Elternteil in den letzten Jahren seinen Job verloren hat. 5 Prozent teilten im Rahmen der Studie mit, dass ihre Familie kein Geld hat, um Lebensmittel zu kaufen. 30 Prozent der Jugendlichen und Kinder haben mitgeteilt, dass ihre Familien nicht mehr in Urlaub fahren können. Neben all diesen materiellen Problemen, sind die Kinder und Jugendlichen in ihren Familien besonderem Stress ausgesetzt, der durch die angespannte Finanzlage im Haushalt und der Erwerbslosigkeit der Eltern angeheizt wird.

Unsere Jugendlichen und Kinder sind ihren Perspektiven, ihren Hoffnungen und Träumen beraubt und noch hat es den Anschein, als ließen wir diese im Regen stehen. Ruhen uns auf den Lorbeeren des Wohlstandes aus und betrachtet das Schauspiel, das um sich greift. Klaus Peter Strohmeier (Professor für Stadt- und Regionalsoziologie) hat bezüglich Gesundheit und Kinderarmut weitreichende Studien durchgeführt. Während 80 Prozent der Jugendlichen und Kinder in den bürgerlichen Vierteln Bochums gesund sind, sind es in Großsiedlungen nur noch 10 bis 15 Prozent. Die Hauptkrankheiten, die mit Armut einhergehen, sind laut Strohmeier Übergewicht und motorische Störungen.

Kritiker mögen dem entgegen halten, dass auch in den 50iger Jahren Armut und Not herrschte und manch anderer möge sich an die Kriegsjahre erinnern. All dies ist richtig und vermutlich braucht die Menschheit dies Auf und Ab’s, um sich wieder zu besinnen und orientieren. Aber noch nie zuvor war der Gegensatz zwischen Reich und Arm derart groß. Eine Kluft, die sich wie ein gezündeter Turbo während der Finanzkrise, weiter vergrößerte. Wir fragen uns Kopf schüttelnd, warum Jugendliche der ISS in die Arme laufen? Wir fragen uns, warum radikale Staatsführer, wie Viktor Orbán, insbesondere bei den Jugendlichen starken Zuspruch erhält. All dies sind Entwicklungen und Ursachen, die sich aus der Ausgrenzung, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit ergeben und ableiten lassen. Europa spürt den Gegenwind des Sturmes, der über die Lande zieht, statt aber Segel und Windmühlen zu bauen, die mit dem Wind segeln können oder Nutzen stiften, bauen wir Mauern zu unserem vermeintlichen Schutz und verstehen nicht, dass man sich auf Dauer gegen keine Naturgewalt oder gegen kein Naturgesetz verwehren kann.

via childnet

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