Die verschwiegene Wahrheit über die Türkei

Die verschwiegene Wahrheit über die Türkei

 


Von Torsten Hähling

Mehrere Meinungsforschungsinstitute ermittelten bereits Ende des vergangenen Jahres eine repräsentative Mehrheit, was -hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung- ein grundlegendes Verständnis für die derzeitigen Bürgerproteste in vielen Städten Deutschlands sowie mittlerweile sogar auf mehrere europäische Staaten ausgedehnt, attestierte. Auf Grund einer hierzu von mir angenommenen „Bequemlichkeit“ reduzierte man deren Ansinnen ausschließlich auf eine angebliche „Islamfeindlichkeit“, was sich mittlerweile zum Glück nach und nach als gegenstandslos entkräftet.

Dass ich gerade jetzt ausgerechnet in der Türkei eine „Kultur- und Bildungsreise“ gemacht habe, war allerdings eher Zufall, weil ich diese auf Grund von beruflichen Hindernissen leider zweimal um insgesamt zwei Jahre verschieben musste. Wer sich jedoch für die Hintergründe der aktuellen gesellschaftspolitischen Themen interessiert, der sollte gerade jetzt- eben genau dorthin fahren, um seine Ansichten auf einen ganz anderen Stand zu heben.

Vor Ort hatte ich einen türkischen Guide, welcher noch nie in Deutschland war und somit für ein unverfälschtes Bild über Geschichte, Politik und Kultur geradezu prädestiniert war. Ich habe Dinge in einer Klarheit erfahren, von denen ich nicht mal zu träumen gewagt hatte. Gewisse Dinge werden zwar auch hierzulande weiter transportiert, jedoch sind das zunächst mal Gerüchte, die ungeprüft auch „falsche Wahrheiten“ bedeuten können. Viele Sätze davon machen einen in Deutschland schnell zu einem Rassisten.

Das Land an sich gehört mit Sicherheit zu den herausragenden touristischen Attraktionen im direkten Umfeld unseres Kontinentes. Es hat höhere Berge, als die Alpen, mehrere Klimazonen, eine 15-Millionen-Stadt mit 38 Universitäten, mit fast 10000 Arten eine Flora, wie fast ganz Zentraleuropa zusammen, zwei Meere und vor allem mehr archäologische Werte als Griechenland und Italien zusammen.

Der interessante Teil beginnt aber jetzt. Seit dieser Landstrich von Menschen besiedelt ist, lebten zum größten Teil jedoch gar keine Türken in der Türkei, die ihre Ursprünge nahe der heutigen Mongolei haben. Auch wird der Islam nicht als die Staatsreligion gelebt und empfunden, was man uns in Deutschland Glauben lassen will. Es ist einzig die heute mehrheitlich verbreitete Religion, nicht mehr und nicht weniger! Die Völkerwanderung ist „Schuld“ dessen, weil vor etwa 1000 Jahren die Seldschuken gen Westen einwanderten, noch bevor die Osmanen auftauchten. Nur diejenigen, die den südlichen Weg über Persien wählten, wurden Muslime, während Einwanderer über nördliche Wege den dort herrschenden christlichen Traditionen folgten und auch diesen Glauben annahmen. Dass „offizielle“ Zahlen über türkische Christen aus der heutigen Zeit nur noch einen 0,x-Anteil proklamieren, stimmt natürlich, weil man einer Staatsdoktrin folgend, zunächst jedem das Befolgen der eigenen Maßgaben unterstellt.

Staatsgründer Mustafa Kemal „Atatürk“ ist genau genommen der größte Islamkritiker aller Zeiten, denn die Republik, die er 1923 ausrief, gilt gemeinhin als das Beispiel für eine erfolgreiche Säkularisierung, wogegen sich insbesondere unserer Handelspartner Saudi-Arabien („Saudi-Barbarien“) noch heute vehement widersetzt.

Atatürk leitete eine bis dahin nie dagewesene radikale Wende ein. Abschaffung des Kalifats und Sultanats- Verbot von Kopftüchern in Schulen und allen öffentlichen Gebäuden. Verbot der Scharia. Verbot der Hedschra (islamische Jahreszählung) und Einführung des gregorianischen Kalenders. Abkehr von arabischer Schrift- hin zu lateinischen Zeichen. Verbot aller fundamentalistischen islamischen Bruderschaften, Einführung von Frauen-Wahlrecht sowie der „Ein-Ehe“. Sogenannte „Ehrenmorde“ wo in Deutschland teilweise religiöse Hintergrunde mit gewertet werden, stehen jedem Tötungsverbrechen gleich und werden ausschliesslich mit lebenslanger Haftstrafe geahndet. Unter Atatürk wurde bereits eher die ehemals größte katholische- und orthodoxe Kirche der Welt Hagia Sophia (Heilige Sophie), welche von den Osmanen im 15.Jahrhundert entweiht und unwiederbringlich in historischen Details zerstört wurde, für islamische Gebete und Predigten geschlossen und später als Museum neu eröffnet. Prägnant auch die von ihm vollzogene Änderung mit der Abschaffung des arbeitsfreien Freitags nach islamischer Tradition hin zum arbeitsfreien Sonntag nach europäischem Vorbild. Atatürk selbst hatte ein sehr differenziertes und kritisches Verhältnis zum Islam, weil er auch sah, dass sehr viel Baukunst oder Traditionen einfach aus dem Christentum übernommen worden. Seit dieser Zeit werden übrigens keine Moscheen mehr mit staatlichen Geldern gebaut, will man so eine- müssen sich die Gemeinden selbst darum kümmern. Der Staat bezahlt lediglich noch die Gehälter der Imame.

Das berühmteste Atatürk-Zitat dazu: „Sie wundern sich, dass die Moscheen sich so schnell leeren, obwohl sie niemand schließt? Der Türke war von Hause aus kein Muslim, die Hirten kennen nur die Sonne, Wolken und Sterne; das verstehen die Bauern auf der ganzen Erde gleich, denn die Ernte hängt vom Wetter ab. Der Türke verehrt nichts als die Natur.“

Jetzt könnte man fast meinen, die Türkei sollte EU-Mitglied werden. Dies ist jedoch nur die eine Seite der berühmten Medaille. Persönlich sage ich hier klar Nein- weil bereits geografisch gesehen mehr als 97% auf dem asiatischen Kontinent liegen. Meine Meinung zählt jedoch nicht, was sagen die Türken selbst? Sie sagen, so wird weitläufig vermutet ebenfalls klar nein, weil sie ganz in Kemals Traditionen, dessen neue Freiheiten schätzen gelernt haben. Klar dagegen spricht auch die weiterhin ungeklärte Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern- ein Völkermord, der statistisch gesehen, um ein Vielfaches blutiger als die schuldbaren Handlungen des Dritten Reiches in Deutschlands waren. Das sind Fakten, auch wenn dessen Bestätigung einen hierzulande als „Rassisten“ da stehen lassen. Die Teilnahme zweier Bundestagsabgeordnete an einer „Störveranstaltung“ gegen eine Mahnkundgebung zur Erinnerung an den angloamerikanischen Bombenholocaust, lassen die Bazillen des unsäglichen „Tätervolkes“ weiterhin ungesühnt herum geistern.

Zum Abschluss möchte ich noch auf zwei Personen zu sprechen kommen. Recep Tayyip Erdoğan und Claudia Roth! Ersterer, der in den fortschrittlichen Gebieten wie Marmara- Ägäis- oder Mittelmeeregion („Wohlstandsregionen“) als der „Sultan von Ankara“ bezeichnet wird, steht nicht nur der EU-Träumerei im Weg sondern auch einem Großteil seines eigenen Volkes. Er will die Geschichte rückwärts drehen und hat dabei mächtige Gegner. Vor einigen Jahren gingen auch in der Türkei Hunderttausende auf die Straßen gegen eine „verordnete Islamisierung“, manche Quellen sprachen sogar von mehr als 1 Million Teilnehmern! Selbst wenn die Mehrheit der 77 Millionen Türken muslimischen Glaubens ist, leben jedoch nur knapp 20% davon getreu dessen Werten. Auch das wohl höchste Ritual, den Ramadan (eines von 5 Geboten) zelebriert die Mehrheit der Türken heute nicht mehr. Das Kopftuch, wovon es zwei Arten (religiöses Kopftuch bzw. lockerer Modeschmuck) gibt, sieht man sehr zum Leidwesen des Staatspräsidenten Erdogan fast nicht mehr, etwa 80% der Frauen tragen in den Wohlstandsregionen kein Kopftuch. Statt dessen sieht man gerade die junge Generation mit westlicher Mode, westlichen Einkaufstüten, oft hübsch geschminkt beim Shopping in großen globalen Mode- und Einkaufszentren, selbst die Tankstellen sind überwiegend die gleichen Marken wie hier, auch wenn Benzin kurioserweise dort deutlich teurer (ca. €1,80/l) als in Deutschland ist.

Die Doppelmoral von Claudia Roth (B90/Grüne) ist hinlänglich bekannt, jedoch irrt sie gleich in mehreren Punkten. Zum einen wenn sie zitiert wird, dass sie „dieses Land wegen der Kultur“ liebt und zum anderen wenn sie zitiert wird, dass sie „dieses Land wegen der Menschen und der Religion“ liebt. Um die ehrlichen und korrekten Antworten zu finden, muss man etwas tiefer als Frau Roth blicken, denn die herausragende Kultur und unschätzbaren historischen Werte (u.a. zwei antike Weltwunder) haben rein gar nichts mit der Türkei zu tun, weil zu dessen „Glanzzeiten“ nachweislich gar keine Türken in der Türkei lebten. Heuchlerisch ist genau so die andere These, sie scheint auf beiden Augen blind- würde sie die Säkularisierung der Türkei bestreiten, wie auch eine nachweisliche Abkehr von vielen islamischen Traditionen in der heutigen Zeit.

http://journalistenwatch.com/cms/mein-reisetagebuch-die-verschwiegene-wahrheit-ueber-die-tuerkei/

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