Sex-Appeal und Kill-Appeal. Mehr geht nicht?

Sex-Appeal und Kill-Appeal. Mehr geht nicht?

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Von Nicolaus Fest

In der vorletzten Schweizer Weltwoche plädiert Bassam Tibi, früher Professor für internationale Beziehungen in Göttingen, einmal mehr für einen Euro-Islam, also für einen Islam ohne Scharia, ohne Siadat (Vorrang des Islam gegenüber anderen Religionen) und ohne Dhimmitude (bloße Duldung von ‚Ungläubigen’ statt gleichberechtigter Toleranz). Alles richtig und wünschenswert, nur schreibt er dies schon seit 30 Jahren – und zu sehen ist von einem Euro-Islam immer noch nichts. Wenn die hier und in anderen europäischen Ländern lebenden Muslime wirklich alle so pluralistisch, demokratisch, tolerant und ‚friedlich’ sind, wie immer behauptet, müssten sie dem Euro-Islam eigentlich zu Tausenden zuströmen. Dass sie dies nicht tun, sollte uns daher zu denken geben – nicht zuletzt auch darüber, wie man sie gegebenenfalls dazu zwingen kann.

Warum aber haben die radikalen, intoleranten Strömungen des Islam so viel Erfolg? Vermutlich gerade deshalb: Eben weil sie primitiv und unverstellt vernunftverachtend sind. Das ist für viele extrem attraktiv, stellt es doch das klassische Karriereschema auf den Kopf: Eigenschaften wie Brutalität, Gewissenlosigkeit und intellektuelle Restriktion, die üblicherweise den sozialen Aufstieg zuverlässig hindern, werden plötzlich prämiert. Je rücksichtsloser, grausamer, unbedarfter, desto sicherer die Beförderung. Auch das Dritte Reich war, das zeigen SA wie SS, vor allem für drei Gruppen attraktiv: Für ungebildete, sozial abgehängte Schichten, für Leute mit schweren psychischen Störungen und für radikale Sinnsucher. Den einen Typus schildert das Buch „Der Vorleser“, den zweiten der Film ‚Schindlers Liste’ im KZ-Kommandanten Amon Göth, den dritten der Roman „Die Wohlmeinenden“: Hier eine analphabetische KZ-Aufseherin, dort ein Sadist, schließlich ein schwankender Moralist, der sich nach Reinigung und Erlösung sehnt. Genau das macht auch die radikalen islamischen Bewegungen für labile, kriminelle oder psychopathische Sozietäten so anziehend. Nicht zufällig ist die Rekrutierungsarbeit der Salafisten eigentlich nur bei diesen Gruppierungen erfolgreich: Bei denen, die ein Unbehagen an der Kultur verspüren, weitgehend unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Status oder ihren Chancen; und dann bei den Insassen europäischer Gefängnisse, also zumeist Retardierten oder Psychopathen. Die können dann ihre kriminellen Karrieren fortsetzen, nun aber mit ‚Mission’ und gutem Gewissen.

Doch nicht nur die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten des radikalen Islam sind anziehend. Mindestens ebenso locken die Abenteuer des Krieges, die Lust an Gewalt und die moralische Umkehrung: Alles, was üblicherweise unter schwerste Strafen gestellt ist und gesellschaftlich geächtet, ist plötzlich nicht nur erlaubt, sondern erwünscht – Vergewaltigung, Massenmord, bestialische Exekutionen. Wie jeder Tabubruch hat auch dieser seine Attraktivität, und der Verstoß gegen das absolute Tabu des Mordes ist auch in seiner Attraktivität absolut. In den Erinnerungen spezialisierter Kampfeinheiten wie den berüchtigten ‚Tunnel-Ratten’ im Vietnam-Krieg findet man immer wieder ähnliche Äußerungen: Dass nichts ein solches Glücksgefühl verschaffe wie die erfolgreiche Tötung des Gegners, gerade weil es ein Tabu ist, weil es die Grenzen der üblichen Moral sprengt. Die massenhafte Vergewaltigung und Ermordung von Frauen durch IS-Djihadisten ist daher keine überschießende Enthemmung, sondern das erfüllte Versprechen einer Bewegung, die den Tabubruch ermöglicht und gutheißt. In der Schändung und Tötung der Wehrlosen fallen zwei Tabus zusammen, und damit auch zwei Reize: Sex-Appeal und Kill-Appeal. Mehr geht nicht.

Und gegen diese Reize von Abenteuer, Allmacht und prämierter Enthemmung, verbunden mit dem Glück der Kameradschaft, will Bassam Tibi den Euro-Islam setzen, also all die Restriktionen, die für Demokratie und Toleranz stehen: Rücksichtnahme, Minderheitenrechte, die komplizierten Spielregeln des Pluralismus. Wenn ich jung wäre, fände ich das auch nicht spannend.

http://nicolaus-fest.de

http://journalistenwatch.com/cms/der-islam-und-die-lust-an-der-gewalt/

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