Spalte und herrsche

Spalte und herrsche

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Warum jetzt endlich Krieg werden muss, wozu wir »mehr Verantwortung« übernehmen sollen, und was wir besser nicht wissen wollen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Deutschland muss sich noch viel mehr international engagieren, „Verantwortung“ übernehmen. Das sagen alle, die was zu sagen haben. Zuletzt wieder der Bundespräsident. Joachim Gauck scheint es richtig traurig zu machen, dass wir keine Truppen in die Ukraine schicken können, um unsere „Verantwortung“ an die russische Front zu werfen.
Irgendwie muss es doch gelingen, aus diesem kümmerlichen Regional-Scharmützel etwas Dauerhaftes zu schnitzen! Dafür müssen auch „the Germans to the Front“, versteht sich. In Washington scharren die Hardliner um den gescheiterten Präsidentschaftskandidaten John McCain schon seit Monaten mit den Hufen, sie wollen endlich groß losschlagen. Europa muss brennen, damit Amerika, relativ gesehen, wieder seine alte Weltgeltung erringt. Europa? Ach was: ganz Eu­rasien! Was ist eigentlich aus dem chinesisch-japanischen Gefinger wegen dieser winzigen Pazifik-Insel geworden? Oder aus dem Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan? Warum ist es in Indonesien so ruhig?
Lauter Brennpunkte, die dringend nach verschärfender Assistenz durch die einzige Weltmacht rufen. Wo die USA (oder ihre treuen Verbündeten) in den vergangenen Jahrzehnten ihre internationale Verantwortung hinein geballert haben,  sind Krisenherde von beeindruckender Nachhaltigkeit entstanden.
Denken wir an den Irak: Außerhalb des kleinen Kurdengebietes ein einziger brodelnder Kessel, in dem alle naselang eine Bombe hochgeht. Oder das Kosovo: Vor 16 Jahren ist die Nato unter der Führung Washingtons da rein, hat Belgrad bombardiert, die Serben besiegt und den Kosovaren eine goldene Zukunft in Demokratie und Wohlstand versprochen.
Heute rauscht eine Massenauswanderung über die Grenzen, Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende tun alles, um das befreite Ländchen zu verlassen, nicht wenig bei nur zwei Millionen Einwohnern. Sogar die örtliche Mafia, welche die Macht von den Nato-Befreiern seinerzeit übernommen hat, macht sich Sorgen. Wovon soll die Made leben, wenn der letzte Fitzel Speck das Weite sucht?
Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karzai hat dieser Tage resümiert, dass der Eingriff der westlichen Armeen in sein Land ein einziger Fehlschlag gewesen sei. Die toten Bundeswehrsoldaten sind also für einen „Fehlschlag“ gefallen. Das nur fürs Protokoll.
Aber immerhin: Wir waren dabei, das ist das Wichtigste! Wir haben „Verantwortung“ gezeigt. Anders als bei dem peinlichen Libyen-Auftritt des damaligen Außenministers Westerwelle. Eher aus Versehen denn aus    festem Willen hatte er 2011 in der Uno einen Militärschlag gegen den Diktator Gaddafi abgelehnt. Die „Zeit“ schäumte damals unter der Überschrift „Eine deutsche Schande“: „Die Deutschen haben sich militärisch rausgehalten und die Verbündeten im Stich gelassen. Das alles war ein großer Fehler und ist eine Schande.“ Die  quält uns heute noch. Oder?
Nunmehr erobert der IS in Libyen Stadt für Stadt, das ganze Land sieht aus wie Somalia, ein „gescheiterter Staat“ eben, wo Mörderbanden, blutrünstige Islamisten und ähnliches Gelichter das Sagen haben. Und wir haben nicht mitgeholfen, dass es soweit kommt – „eine deutsche Schande“!
Wir sehen: Irak, Kosovo, Afghanistan, Libyen – all das sind leuchtende Beispiele für gelungene Interventionspolitik.
Nein, das meine ich keineswegs ironisch! Die USA wollen Ordnungsmacht sein. Wer aber ruft nach einer Ordnungsmacht, wenn gar keine Unordnung da ist? Eben! Stellen Sie sich mal vor, im Irak herrschte noch Saddam und in Libyen Gaddafi, grausam und abstoßend, aber halbwegs ruhig und stabil. Und in Afghanistan säßen noch die Russen und das Kosovo wäre noch Teil Serbiens. Sicher hätten beide mit aufmüpfigen Mudschaheddin respektive Kosovo-Albanern zu tun, aber alles in allem wäre die Lage unter ihrer Kontrolle. Wer da über die „unverzichtbare Rolle der USA als globale Ordnungsmacht“ fabulierte, würde verständnislos angegrinst werden. Globale Ordnungsmacht? Wozu benötigen wir die? Steht doch alles wie ’ne Eins! Fürchterliche Vorstellung aus überseeischer Sicht.
Dabei sieht Washington seine globale Mission zum Wohle der Menschheit nicht allein darin, Ordnungsmacht zu sein. Man bietet sich auch großherzig als Schutzmacht aller Bedrängten an. Da kommt die Ukraine ins Spiel. Sicher, die seit 1979 von Afghanistan aus durch die USA gepäppelten Radikal-Moslems können einem schon einen Schrecken einjagen. Aber so richtig ziehen die dennoch nicht als existenzielle Bedrohung.
Da ist Russland schon ein anderes Kaliber, das hat auch Joachim Gauck, der Mann aus dem Dunstkreis der US-Einflussorganisation „Atlantikbrücke“, messerscharf erkannt. Was dabei herauskommen soll? Das Übliche: Ein Dauerkonflikt, immer mal wieder Tote, ein paar Anschläge hier und dort, dann wieder eine richtige Schlacht – aber keine richtigen Sieger, keine echten Verlierer. So kann das jahrzehntelang weitergehen. Es sei denn, die Sache gerät außer Kontrolle und explodiert zum Weltkrieg. Aber das Risiko müssen wir eingehen, um unserer „Verantwortung“ gerecht zu werden, würde der Herr Gauck sagen.
Die Dauerkonflikte sind zu zweierlei nütze. Das mit der Schutz- und Ordnungsmacht ist das eine. Hinzu kommt, dass die europäischen Länder, voran Deutschland, mit Flüchtlingsströmen überhäuft und von Konfliktkosten aller Art ausgezehrt werden, was ihre globale Konkurrenzfähigkeit gegen den Mitbewerber USA beträchtlich schmälert. Das ist der Trick: Zwar wird uns ständig eingeredet, dass wir global mehr „Verantwortung“ übernehmen sollen und manchmal schmeichelhaft davon gesprochen, dass wir dafür sogar „Führung“ angetragen bekämen. Gewollt aber ist das genaue Gegenteil: Das Kraftpotenzial Deutschlands wird in den zahlreichen Dauerkonflikten verdampft, damit die Deutschen gar nicht die Möglichkeit bekommen, wirklich international mitzuspielen, nach eigener Melodie.
Das funktioniert prachtvoll. Trotz Steuereinnahmen-Zenits und Exportüberschuss-Rekords vergammelt das Land im Zeitraffer-Tempo. Der erbärmliche Zustand von Straßen und öffentlichen Gebäuden legt davon Zeugnis ab. Und je emsiger wir uns unserer „internationalen militärischen Verantwortung stellen“, desto weniger scheinen wir imstande zu sein, die Grunderfordernisse der Bundeswehr auch nur einigermaßen zu finanzieren. Kein Wunder: Das Geld wurde für besagte „Fehlschläge“ verplant.
Nicht zu vergessen sind die friedlichen Maßnahmen zur Beschäftigung der Deutschen. Bekanntlich war es die US-Bank Goldman Sachs, welche den Griechen die Kniffe beibrachte, wie man sich in den Euro hineinbetrügt. Der Bank werden allerengste Beziehungen zur Regierung nachgesagt. Damit haben uns die Amis ein Kuckucksei ins Nest gelegt, welches das gesamte europäische Nest in die Luft sprengen könnte. Genial!
Moment mal! Ist das nicht anti-amerikanisch? Aber nein: Die USA verhalten sich vollkommen normal. Jedes Imperium macht das so, sonst wäre es nie eines geworden oder es wäre ganz schnell vorbei mit ihm. Die Briten taten es und die alten Römer nicht minder, die Taktik lautet „divide et impera“: Spalte und herrsche…

Weiterlesen: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/spalte-und-herrsche.html

Via indynet

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